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Familie Meyer / Pagener

 

Die Familie Meyer / Pagener bestand aus den Eltern Emma, geb. Reiter (*1878 in Regensburg) und Hermann Meyer (*1873) sowie ihren Zwillingen Ella und Henny (*1904) und den Zwillingen Alfred und Hermine (*1906).

 

Emma und Hermann Meyer


Emma und Hermann Meyer galten als „ganz feine, gläubige und fein eingerichtete Leute.“ Zudem hatten sie als eine der ersten Uchter Bürger 1933 einen Volksempfänger.

Möglicherweise mussten die Eheleute Meyer Ende 1938 ihr Haus in der Kirchstr. 114 (gegenüber des heutigen Kindergartens "Spatzennest") zwangsweise an die Gemeinde Uchte verkaufen.

Von hier aus wurden sie im Juli 1942 in aller Öffentlichkeit auf einen Lastwagen verladen und in das Sammellager Ahlem in Hannover gebracht. Von dort aus wurden sie deportiert ins Konzentrationslager Theresienstadt, wo ihr Mann Hermann sogar ein Jahr länger überlebte als Emma. 

 

Emma mit ihren Kindern (von links) Hermine, Alfred und Ella

 

 

Alfred Meyer

Alfred arbeitete wie sein Vater als Viehhändler in Uchte, bevor er 1938 nach Hannover zog. Er war verlobt mit Grete Meyer aus Herzlake, die schon 1939 nach England flüchtete, in der Hoffnung, Alfred nachholen zu können, um dann gemeinsam nach Amerika auszuwandern.

Im September 1941 wurde er zwangsweise in das „Judenhaus“ in der Lützowstraße 3 in Hannover eingewiesen, von wo aus er im Dezember 1941 in das Ghetto nach Riga deportiert wurde. Von dort aus wurde er im November 1943 in das KZ Riga gebracht und ein Jahr später über Stutthof nach Buchenwald, wo er im Alter von 37 Jahren starb. Damit hatte er fast drei Jahre in verschiedenen Konzentrationslagern überlebt!

 

 

 

Henny Meyer

Henny starb schon einige Monate nach ihrer Geburt und ist auf dem jüdischen Friedhof in Uchte beerdigt.

 

Ella Pagener Schloss, geb. Meyer

 

Ella heiratete 1931 Benno Pagener aus Epe / Gronau und zog mit ihm nach Recklinghausen, wo ihre Kinder Margot (*1932) und Renate (*1934) zur Welt kamen.

 

 

1936 verzog die Familie erst nach Melle, dann nach Bielefeld. In dieser Zeit verbrachten die Mädchen viel Zeit bei den Großeltern Emma und Hermann in Uchte, weil der Vater krank war; er verstarb 1938. Margot kam daraufhin in ein jüdisches Waisenhaus in Paderborn, Renate lebte mehrere Monate bei den Großeltern in Uchte, damit die Mutter Ella arbeiten gehen konnte.

 

 

Im Februar 1939, Renate war gerade 5 Jahre alt geworden, konnte sie mit einem Kindertransport nach England ihre Heimat verlassen. Ella gelang es daraufhin, eine Arbeitserlaubnis als Hausangestellte in England zu bekommen und folgte ihrer Tochter. Auch Margot gelangte im Juni 1939 mit einem Kindertransport nach England. So waren alle drei in Sicherheit, auch wenn jede in einer anderen Stadt lebte – die Mädchen in ihren Pflegefamilien (so wie auf dem Foto Renate) und die Mutter in dem Haushalt, in dem sie arbeitete.

1940 heiratete Ella in England Walter Schloss, einen deutschen Juden, den sie schon von früher her kannte und der auf sein amerikanisches Visum für die Auswanderung wartete. Kurz nach der Hochzeit war es dann soweit: Walter durfte in die USA auswandern, allerdings ohne Ella und die Kinder.

Zur gleichen Zeit versuchte Ellas Bruder Alfred seine eigene Auswanderung nach Amerika über Walter Schloss zu organisieren (seine Verlobte Grete war ja schon in England), was allerdings fehlschlug.

Im März 1942 kam Margot (9 J.) bei einem Verkehrsunfall in der Grafschaft Kent ums Leben.

1946 durften Ella und Renate endlich zu Walter nach Rochester im US-Bundesstaat New York emigrieren, wo Walter im Jahr 1988 starb, Ella 1999.

Renate heiratete 1953 Joseph Livingston († 2001) und lebte mit ihm und ihren vier Kindern Kenneth, Richard, Margot und Wendy in Pittsford /NY, wo sie auch heute noch lebt. Zu ihr hält die AG Stolpersteine einen intensiven und regelmäßigen Briefkontakt.

 

 

 

Hermine Pagener, geb. Meyer

 

 Hermine, die Zwillingsschwester von Alfred, heiratete im Jahr 1933 ihren Mann Siegfried Pagener und zog zu ihm nach Epe, einem Stadtteil von Gronau. Sie bekamen die Kinder Bernhard (*1934) und Gretel (*1938).

1939 flüchtete die Familie nach Rotterdam (Niederlande), von wo aus sie 1944 in das niederländische Durchgangslager Westerbork verbracht wurden. Von dort ging es für die Familie im September 1944 weiter nach Theresienstadt und einen Monat später in das Vernichtungslager Auschwitz – Birkenau.

Hier wurden die Kinder Bernhard (10 J.) und Gretel (6 J.) direkt nach der Ankunft getötet, ebenso wohl auch Hermine, ihre Mutter. Ihr Mann Siegfried überlebte das Vernichtungslager zunächst, verstarb aber einige Monate später im Februar 1945 im KZ Flossenbürg.

Für die Familie Pagener wurden Stolpersteine in Gronau (Epe) gesetzt.

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