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Diktatur oder Demokratie?

13.3.2018

Rainer Eppelmann als Zeitzeuge der deutsch-deutschen Geschichte im Gespräch mit Schülern der OBS Uchte
In einem lebhaften und berührenden Vortrag zugleich ließ der ehemalige Pastor und Bürgerrechtler Rainer Eppelmann die Schülerinnen und Schüler des 10. Jahrgangs der Oberschule Uchte heute Einblick nehmen in seine Erfahrungen als Bürger der ehemaligen DDR. Immer wieder waren die Schilderungen des Vortragenden, der für diesen Zweck eigens aus Berlin angereist war, von der Fragestellung geleitet, ob und warum sich junge Menschen für die Demokratie aktiv begeistern können.
Die Jugendlichen thematisieren die deutsch-deutsche Geschichte gegenwärtig im Unterricht. Den Berichten eines Zeitzeugen live zuhören zu können, ist jedoch von gänzlich anderer Qualität, als Schulbuchseiten zu wälzen und Informationen ohne die Möglichkeit einer kritischen Nachfrage aufnehmen zu müssen.
Über die Dauer von zwei Stunden hatten die zukünftigen Abschlussschüler der OBS heute jedoch die Gelegenheit, Herrn Eppelmann direkt zu fragen und von ihm geschildert zu bekommen, wie er sich bei den unzähligen Bemühungen um Frieden, Freiheit und Demokratie gefühlt hat. Die Betroffenheit und das Interesse der Zuhörerinnen und Zuhörer waren nicht zu verkennen. Sie stellten intensiv Fragen, deren Beantwortung durch den engagierten Berliner Bürger oftmals sehr berührend, aber immer nah an den Jugendlichen war. Rainer Eppelmann war ein Zeuge des Mauerbaus und des Mauerfalls zugleich, er erlebte die Trennung der eigenen Familie, schulische und berufliche Einschränkungen und die folgenschweren Trugbilder eines Überwachungsstaates. Er war selbst zweimal in (meist kurzweiliger) Stasi-Haft, konnte aus eigenem Erleben von Abhörmethoden berichten und von den systempolitischen Widersprüchlichkeiten, an denen sich – wie der Herbst 1989 zeigen sollte – viele Bürger in der DDR aufbegehrten. Für die Jugendlichen ist ein Kämpfen um Demokratie im Wesentlichen unvorstellbar und glücklicherweise auch gegenwärtig nicht nötig. Für sie ist Demokratie etwas Selbstverständliches. Umso provozierender wirkte somit die rhetorische Frage von Herrn Eppelmann, ob man sich bewusst entscheiden könne – für die Demokratie. Dem Geschichtsbewusstsein der jungen Generation hat der heutige Tag etwas Wertvolles beitragen können.
Abschließend verriet Herr Eppelmann den Schülerinnen und Schülern noch, was sein „wichtigster Wunsch“ sei: Bei guter Gesundheit 93 Jahre alt zu werden, denn – so antwortete er den fragenden Gesichtern – dann könne er behaupten, (ein Jahr) länger in einer Demokratie als in einer Diktatur gelebt zu haben.

 

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